Junger Mann bei einer kurzen Pause vom Lauftraining im Winter

Fit wie ein Spitzensportler in der Erkältungssaison

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Portrait von Dr. med. Stefan Pecher
Unser Experte

Dr. med. Stefan Pecher

  • Facharzt für Allgemeinmedizin

  • Facharzt für Chirurgie

  • Sport- und Notfallmediziner

  • Teamarzt der deutschen nordischen Skinationalmannschaft bei Olympia, Weltmeisterschaften und weiteren Wettkämpfen

Erkältungen betreffen sowohl Freizeitsportler als auch Weltcup-Athleten. Die richtigen Entscheidungen in Bezug auf Training und Gesundheit sollten jedoch stets auf fundiertem Wissen und langjähriger Erfahrung basieren. Dr. med. Stefan Pecher ist Facharzt für Allgemeinmedizin, Chirurgie sowie Sport- und Notfallmediziner. In seiner Praxis in Fichtelberg betreut er das gesamte Spektrum von der Allgemein- bis zur Sportmedizin und steht dem deutschen nordischen Skisport seit Jahren als Teamarzt zur Seite. In diesem Interview erklärt er, wie man Erkältungssymptome korrekt einordnet, das Training sinnvoll steuert und welche Bedeutung Prävention im Alltag sowie im Spitzensport besitzt.

Erkältung verstehen

Was ist eine Erkältung aus medizinischer Sicht?

Eine Erkältung, medizinisch als grippaler Infekt bezeichnet, ist eine meist durch Viren verursachte Infektion der oberen Atemwege. Typische Symptome sind Fließschnupfen, Halskratzen, eventuell Heiserkeit oder Reizhusten, überwiegend ohne Fieber. In etwa 80–90 % der Fälle sind Viren wie Rhinoviren, Influenzaviren oder Coronaviren die Auslöser. Bakterielle Infektionen sind deutlich seltener und treten eher selten als Komplikation auf.


Wie verläuft ein typischer grippaler Infekt?

Der Verlauf beginnt oft mit Halsschmerzen und Schnupfen, gefolgt von Husten. Fieber ist möglich, aber nicht zwingend. Die Beschwerden klingen in der Regel nach 7–10 Tagen ab. Bei unkomplizierten Verläufen reicht eine symptomatische Therapie mit Schonung, ausreichender Flüssigkeitszufuhr und ggf. unterstützenden Hausmitteln.

Tests sind sinnvoll, wenn schwere Symptome auftreten, oder wenn Risikopatienten betroffen sind.

Grippaler Infekt vs. echte Grippe: Welche Unterschiede gibt es in der Symptomatik und wann sind Tests sinnvoll?

Die echte Grippe (Influenza) beginnt meist plötzlich und heftig mit hohem Fieber, starkem Krankheitsgefühl und Gliederschmerzen. Ein grippaler Infekt verläuft milder und schleichender.

Symptome richtig deuten

Wann sollte man aus Ihrer Sicht bei einer Erkältung ärztlichen Rat einholen?

Bei Fieber, starken Gliederschmerzen, schmerzhafter Lymphknotenschwellung, Atemnot, anhaltenden oder sich verschlechternden Symptomen sowie bei Vorerkrankungen sollte ärztlicher Rat eingeholt werden. Auch wenn sich die Symptome nach einigen Tagen nicht bessern oder neue Beschwerden wie starke Kopfschmerzen und Brustschmerzen auftreten, ist eine ärztliche Abklärung ratsam.

Studien zeigen jedoch, dass unter 2 % der Nasennebenhöhlenentzündungen bzw. Stirnhöhlenentzündungen im Verlauf in eine bakteriell verursachte Superinfektion übergehen.

Woran erkennt man, dass sich eine Erkältung in Richtung Sinusitis oder akute Bronchitis entwickelt?

Warnzeichen sind zunehmende Schmerzen im Bereich der Nasennebenhöhlen, eitriger Nasenausfluss, anhaltender Husten mit Auswurf, Fieber oder Schmerzen beim Atmen. Diese Symptome deuten auf eine bakterielle Superinfektion wie Sinusitis oder Bronchitis hin und sollten ärztlich abgeklärt werden.

Frau mit Erkältungsbeschwerden

Training & Infekt: Dos and Don’ts

Welche Symptome verbieten sportliche Betätigung bei grippalen Infekten?

Sport ist bei Fieber, Gliederschmerzen, starkem Krankheitsgefühl, Atemnot oder Herzbeschwerden strikt zu vermeiden. Auch bei Symptomen wie Brustschmerzen, Schwindel oder Kreislaufproblemen besteht ein erhöhtes Risiko für Komplikationen wie Myokarditis. In diesen Fällen ist eine Sportpause zwingend erforderlich sowie eine ärztliche Vorstellung angeraten.

Hilfreich hierbei ist auch eine Ruhepulsmessung morgens, sollten hier die Herzfrequenzen erhöht sein gegenüber den individuellen Normalwerten ist eine Sportpause dringend anzuraten.

Sport bei Erkältung – ja oder nein? Was raten Sie Ihren Patienten?

Bei leichten Symptomen ohne Fieber und ohne allgemeines Krankheitsgefühl ist moderate Bewegung möglich, jedoch keine intensiven Belastungen. Bei Fieber, Gliederschmerzen oder starkem Unwohlsein gilt: Sportpause! Die Gefahr von Komplikationen, insbesondere einer Herzmuskelentzündung, ist zu groß. Im Zweifel immer ärztlichen Rat einholen.

Wie sieht ein strukturierter Aufbauplan nach einem Infekt aus? Welche Schritte umfasst ein sicheres Return-to-Play?

Nach Abklingen der Symptome sollte eine mindestens dreitägige symptomfreie Phase eingehalten werden, bevor mit leichtem Training begonnen wird. Der Wiedereinstieg erfolgt stufenweise: Zunächst lockeres Training, dann allmähliche Steigerung der Intensität. Bei erneuten Beschwerden sofort Trainingspause und ggf. ärztliche Kontrolle. Eine vollständige Genesung ist Voraussetzung für die Rückkehr zum intensiven Sport.

Mythencheck: Vitamine & Sauna

Hilft viel Trinken bei einer Erkältung tatsächlich?

Ja, eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr unterstützt die Schleimhäute, fördert den Schleimtransport und hilft, den Körper zu regenerieren. Besonders bei Fieber und Schwitzen ist der Flüssigkeitsbedarf erhöht. Die Flüssigkeit sollte körperwarm sein und möglichst keine Süßstoffe enthalten.

In den Wintermonaten empfehlen wir die Einnahme von Vitamin C bis ca. 1 g täglich sowie von Vitamin D bis ca. 2000 Einheiten in Absprache mit Ihrem Arzt und routinemäßigen Laborkontrollen beim Arzt.

Können Vitamine (C, D) oder Zink den Verlauf einer Erkältung positiv beeinflussen?

Vitamin C kann bei starker körperlicher Belastung das Risiko und die Dauer von Infekten der oberen Atemwege reduzieren. Bei Nichtsportlern ist der Effekt geringer. Vitamin D-Mangel erhöht das Infektrisiko, eine Supplementierung kann vorbeugend wirken. Zink kann die Dauer von Erkältungen geringfügig verkürzen, sollte aber nicht überdosiert werden. Entscheidend ist eine ausgewogene antioxidative Ernährung.

Sauna bei Erkältung: Ist Schwitzen hilfreich für Abwehr und Regeneration oder in der Akutphase eher belastend?

In der Akutphase einer Erkältung ist Sauna nicht zu empfehlen, da sie den Kreislauf zusätzlich belastet und den Infekt verschlimmern kann. In der Rekonvaleszenz als auch in der Regenerationsphase nach dem Training können regelmäßige Saunabesuche jedoch das Immunsystem stärken und präventiv wirken.

Frau mit einer warmen Decke und Tee - Zur Linderung von Erkältungsbeschwerden.

Ernährung & Hausmittel

Welche Lebensmittel und Ernährungstipps unterstützen während einer Erkältung? Mit welchen Ernährungsirrtümern haben Sie in der Praxis häufig zu tun?

Setzen Sie auf Gemüse wie Rote Beete, Karotten, Pastinaken, aber auch auf Knollen und Hülsenfrüchte. Diese Lebensmittel sind reich an sekundären Pflanzenstoffen, Antioxidantien und entzündungshemmenden Substanzen. Sie unterstützen die Darmflora und damit das Immunsystem. Rote Beete zum Beispiel enthält Betanin, das antioxidativ wirkt und die Regeneration fördert. Reduzieren Sie dagegen den Konsum von tierischen Fetten und Zucker. Eine pflanzenbetonte Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und Nüssen ist wissenschaftlich belegt die beste Basis für Gesundheit und Leistungsfähigkeit, nicht nur in der Erkältungssaison.

Welche Hausmittel empfehlen Sie und wo liegen deren Grenzen?

Hausmittel wie Inhalationen, Nasenspülungen, Halswickel und eine gute Schlafhygiene können die Symptome einer Erkältung lindern und den Heilungsprozess unterstützen. Sie ersetzen jedoch keine ärztliche Behandlung bei schweren oder länger anhaltenden Beschwerden. Bei einer Verschlechterung des Zustands oder ausbleibender Besserung sollte stets ein Arzt aufgesucht werden. Besonders wichtig ist zudem eine konsequente Hygiene, etwa durch sofortiges Umziehen und Duschen nach sportlichen Aktivitäten. Auch das Tragen einer Maske kann das Risiko der Übertragung von Atemwegsinfektionen verringern.

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Gute Schlafhygiene

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Sofortiges Umziehen und Duschen nach sportlichen Aktivitäten

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Inhalationen, Nasenspülungen, Halswickel

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Konsequente Hygiene

Weltcup-Praxis: So arbeitet ein Teamarzt

Wie koordinieren Sie im engen Wettkampfkalender das Infekt-Management zwischen Medizin, Coaching und Athleten?

Eine enge Abstimmung zwischen Medizinteam, Trainern und Athleten ist entscheidend, um die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Sportler zu sichern. Dafür setzen wir auf ein strukturiertes Infektmanagement, das regelmäßige Kontrolle der Ruheherzfrequenz, Laborkontrollen, ein Symptomtagebuch, Schlaf- und Regenerationsphasen sowie gezielte Ernährungsanpassungen umfasst. Zusätzlich schulen wir konsequente Hygienemaßnahmen wie Händedesinfektion und die Befeuchtung der Schleimhäute, prüfen den Impfstatus und passen das Training bei ersten Anzeichen individuell an.

Wichtig ist auch im Leistungssport bei Anzeichen einer infektbedingten Erkrankung eine Wettkampfpause einzulegen.

Welche Risikofaktoren spielen im Skisport eine Rolle? Welche Teamroutinen haben sich bewährt?

Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen hohe Trainingsumfänge, Wettkampfdichte, Flugreisen, Kälte, trockene Luft, Stress und Schlafmangel. Bewährte Routinen sind konsequente Hygiene, regelmäßige Laborkontrollen, Kontrolle der Ruheherzfrequenz, gezielte Ernährung und Impfungen. Auch die Isolation Erkrankter und die Reduktion von Kontakten im Team sind wichtige Maßnahmen.

Zudem hat sich gezeigt, dass das Befeuchten der Raumluft mit Luftbefeuchtern einen positiven Effekt auf das Wohlbefinden und die Infektabwehr hat.

Was ist Ihr Geheimtipp Tipp für sportlich Aktive in der Wintersaison?

Mein Tipp zur Vermeidung von Infektionskrankheiten ist eine gesunde, antioxidative Ernährung, kombiniert mit konsequenter Hygiene und individuell dosiertem Training. Besonders in den Wintermonaten empfiehlt es sich, auf angepasste Kleidung im Zwiebelprinzip zu setzen, also mehrere Schichten clever und durchdacht übereinander zu tragen. Das hilft, unnötiges Schwitzen zu vermeiden und die Körpertemperatur konstant zu halten.