Tee und Entspannung bei nervösen Magenbeschwerden

Wenn Magen und Darm rebellieren: Tipps bei Magen- und Verdauungsbeschwerden

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Unser Experte

Dr. med. Stefan Pecher

  • Facharzt für Allgemeinmedizin

  • Facharzt für Chirurgie

  • Sport- und Notfallmediziner

  • Teamarzt der deutschen nordischen Skinationalmannschaft bei Olympia, Weltmeisterschaften und weiteren Wettkämpfen

Magen-Darm-Beschwerden wie Magenschmerzen, Sodbrennen, Blähungen oder Durchfall sind weit verbreitet und können den Alltag erheblich beeinträchtigen. Doch was steckt dahinter, wie erkennt man Warnzeichen und was kann Ihnen helfen die Beschwerden zu lindern? Dr. med. Stefan Pecher, Facharzt für Allgemeinmedizin, Chirurgie sowie Sport- und Notfallmediziner, gibt praxisnahe Antworten und wertvolle Tipps für alle, die ihren Verdauungstrakt stärken und Beschwerden vorbeugen möchten.

Häufige Ursachen von Magen-Darm-Beschwerden

Was sind die häufigsten Ursachen für Magen-Darm-Beschwerden?

Die häufigsten Auslöser sind eine unausgewogene Ernährung, zu fettige oder scharfe Speisen, zu hastiges Essen, Stress, Infektionen durch Viren oder Bakterien, Nahrungsmittelunverträglichkeiten und manchmal auch Medikamente. Auch Veränderungen im Tagesablauf, wie auf Reisen, können eine sensible Verdauung aus dem Gleichgewicht bringen.

Magen-Darm-Beschwerden verstehen & Hausmittel zur Linderung

Magenschmerzen:

Wichtig ist, dass Sie bei anhaltenden oder starken Beschwerden ärztlichen Rat einholen, da auch ernsthafte Erkrankungen dahinterstecken können, die einer medizinischen Abklärung bedürfen.

Wie äußern sich Magenschmerzen und was steckt dahinter?

Magenschmerzen machen sich meist als Stechen, Drücken oder Ziehen in der Oberbauchmitte bemerkbar. Oft sind sie harmlos und entstehen durch ungewohnte, fettige oder scharfe Speisen, zu viel Kaffee, Alkohol oder Nikotin. Auch Stress kann den Magen reizen. Treten zusätzlich Übelkeit, Durchfall oder Blähungen auf, kann auch eine Magen-Darm-Infektion dahinterstecken.

Sodbrennen:

Zum Ausschluss eines Zwerchfellbruchs, der zwar selten ist, aber dennoch eine Ursache für Sodbrennen sein kann, ist bei Auftreten von Sodbrennen eine ärztliche Konsultation sinnvoll.

Wie genau entsteht Sodbrennen?

Sodbrennen entsteht, wenn der Schließmechanismus zwischen Speiseröhre und Magen nicht mehr richtig arbeitet. Dadurch kann Magensäure zurück in die Speiseröhre fließen und dort die Schleimhaut reizen. Dies passiert besonders häufig nach üppigen Mahlzeiten, bei Übergewicht oder in der Schwangerschaft, weil der Druck im Bauchraum erhöht ist und der Schließmechanismus zusätzlich belastet wird. Typisch ist dabei ein brennendes Gefühl hinter dem Brustbein.

Mann hebt sich am Brustbein - Sodbrennen

Auch die Einnahme von Heilerde, beispielsweise in Form von Heilerdekapseln, hat sich bewährt: Sie wirkt entsäuernd und kann somit die Schmerzen lindern.

Wie kann ich bei Sodbrennen die Beschwerden durch Hausmittel lindern?

Um akute Beschwerden zu lindern, kann es hilfreich sein, ein Glas stilles Wasser oder einen warmen Kräutertee (z. B. Kamillentee) langsam zu trinken, um die Magensäure zu verdünnen. Das Kauen von zuckerfreiem Kaugummi regt zudem die Speichelproduktion an, wodurch die Säure im Magen neutralisiert wird. Wärmeauflagen auf dem Oberbauch können zusätzlich entspannend und wohltuend wirken.

Gerade auch industriell hergestellte Fertigprodukte enthalten Inhaltsstoffe, die Sodbrennen hervorrufen können. Auch der Verzicht auf Alkohol, Kaffee und Nikotin kann helfen, da diese Genussmittel die Funktion des unteren Schließmechanismus zusätzlich beeinträchtigen. Zusätzlich regen Alkohol und Coffein die Magensäureproduktion an.

Wie kann ich Sodbrennen vorbeugen?

Um Sodbrennen vorzubeugen, empfiehlt es sich, mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt zu essen und große, üppige Mahlzeiten zu vermeiden. Verzichten Sie möglichst auf sehr fettige, stark gewürzte oder süße Speisen, da diese die Produktion von Magensäure erhöhen und den Schließmechanismus zwischen Speiseröhre und Magen schwächen können. Spätabendliche Mahlzeiten sollten vermieden werden und nach dem Essen ist es ratsam, aufrecht zu bleiben und sich nicht direkt hinzulegen. Übergewicht und enge Kleidung erhöhen den Druck im Bauchraum und begünstigen Sodbrennen. Achten Sie daher auf ein gesundes Körpergewicht und bequeme Kleidung. Stressmanagement und regelmäßige Bewegung unterstützen ebenfalls die Verdauung und können Beschwerden vorbeugen.

Durchfallbeschwerden

Was sind die häufigsten Ursachen für Durchfall und welche Ursachen liegen einer Durchfallerkrankung zugrunde?

Durchfall entsteht meist durch Infektionen mit Viren oder Bakterien, aber auch durch Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Stress oder bestimmte Medikamente. Diese Ursachen führen zu einer gesteigerten Darmmotilität und einer gestörten Wasser- und Elektrolytresorption im Dünn- und Dickdarm. Normalerweise werden täglich mehrere Liter Flüssigkeit im Darm rückresorbiert, bei Durchfall ist dieser Mechanismus gestört, sodass große Mengen Wasser und Elektrolyte (vor allem Natrium und Kalium) verloren gehen. Dies kann den Flüssigkeits- und Mineralstoffhaushalt des Körpers erheblich beeinträchtigen.

Bei starkem Durchfall, Blut im Stuhl, Fieber oder länger anhaltenden Beschwerden sollte ein Arzt aufgesucht werden, da hier eine ernsthafte Infektion oder eine andere Erkrankung vorliegen kann.

Wie kann ich meinen Körper bei Durchfallbeschwerden unterstützen?

Wichtig ist, viel zu trinken (körperwarmes Wasser oder Tee), um den Flüssigkeits- und Elektrolytverlust auszugleichen und auf leicht verdauliche Kost zu achten. Geeignet sind Zwieback, gekochter Reis oder Kartoffeln, Haferbrei, gedünstetes Gemüse (z. B. Karotten oder Zucchini) sowie fettarmer Naturjoghurt, sofern verträglich. Diese Lebensmittel belasten den Verdauungstrakt wenig und helfen, die Schleimhaut zu schonen.

Blähungen:

Was sind typische Auslöser für Blähungen?

Blähungen entstehen meist durch eine übermäßige Ansammlung von Gasen im Verdauungstrakt. Diese Gase entstehen vor allem im Dickdarm durch die bakterielle Fermentation unverdaulicher Kohlenhydrate, wobei Wasserstoff, Methan und Kohlendioxid gebildet werden. Wenn die Darmmotilität verlangsamt ist oder die Gasresorption gestört wird, können sich diese Gase ansammeln und zu einem unangenehmen Druckgefühl und Völlegefühl führen. Typische Auslöser sind blähende Lebensmittel wie Zwiebeln, Kohl und Hülsenfrüchte sowie kohlensäurehaltige Getränke. Auch hastiges Essen kann durch vermehrtes Luftschlucken (Aerophagie) die Gasmenge erhöhen. Stress beeinflusst die Darmbewegung über das vegetative Nervensystem, und eine gestörte Darmflora kann die Gasproduktion zusätzlich steigern.

Wie kann ich Blähungen lindern?

Um Blähungen zu lindern, empfiehlt es sich, blähende Speisen nur langsam und in kleinen Mengen in den Speiseplan zu integrieren. Ausreichend Bewegung unterstützt die Darmmotilität und hilft, die Gase besser zu verteilen. Bewährte Hausmittel wie Fenchel-, Anis- oder Kümmeltee können entkrampfend wirken und die Verdauung fördern. Wärmeauflagen auf dem Bauch sowie sanfte Bauchmassagen tragen ebenfalls zur Entspannung bei. Darüber hinaus können Entspannungstechniken wie Atemübungen oder Yoga helfen, Stress zu reduzieren und die Verdauung positiv zu beeinflussen.

Darm

Blähende Speisen nur in kleinen Mengen

Bewegung

Ausreichend Bewegung

Icon mit Händen, welche ein Herz halten

Hausmittel wie Fenchel-, Anis- oder Kümmeltee

Müdigkeit

Bauchmassagen und Entspannungstechniken wie Atemübungen oder Yoga

Verstopfung:

Empfehlenswert sind ballaststoffreiche Lebensmittel wie Vollkornprodukte, Obst, Gemüse, Leinsamen oder Flohsamenschalen. Diese fördern die Wasserbindung und erhöhen das Stuhlvolumen. Es ist wichtig, ausreichend zu trinken, damit die Ballaststoffe quellen können. Regelmäßige Bewegung unterstützt zudem die Darmmotilität, und kleine Rituale wie ein Glas Sauerkrautsaft am Morgen können die Verdauung zusätzlich anregen.

Was kann ich tun, wenn ich unter Verstopfung leide?

Verstopfung entsteht häufig durch eine ballaststoffarme Ernährung, mangelnde Bewegung oder eine unzureichende Flüssigkeitszufuhr. Dadurch verweilt der Stuhl länger im Dickdarm. Üblicherweise wird dort Wasser rückresorbiert, um den Stuhl einzudicken. Ist die Darmbewegung verlangsamt, entzieht der Körper dem Stuhl noch mehr Wasser, sodass dieser hart und trocken wird. Ballaststoffe sind hierbei besonders wichtig, da sie Wasser binden und das Stuhlvolumen erhöhen. Dies dehnt die Darmwand und aktiviert Mechanorezeptoren, die wiederum die Darmperistaltik anregen. Auch Stress oder ungewohnte Tagesabläufe, zum Beispiel auf Reisen, können den Darm träge machen, da das vegetative Nervensystem die Darmbewegung beeinflusst. Übermäßiger Alkoholgenuss kann ebenfalls zu Verstopfung führen, da er dem Körper Wasser entzieht.

Leinsamen im Joghurt

Magen-Darm-Infekt

Wie erkenne ich einen Magen-Darm-Infekt und was hilft dagegen?

Ein Magen-Darm-Infekt äußert sich meist durch plötzlich einsetzenden Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Bauchkrämpfe und manchmal Fieber. Häufig sind Viren oder Bakterien die Ursache. Wichtig ist, viel zu trinken, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen und auf leichte Kost zu achten. Bei starken Beschwerden, Blut im Stuhl, hohem Fieber oder wenn die Symptome länger als zwei bis drei Tage anhalten, sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Nervöse Magen-Darm-Beschwerden

Warum beeinflusst Stress die Verdauung?

Die Verdauung wird nicht nur lokal im Magen-Darm-Trakt gesteuert, sondern auch über die sogenannte Darm-Hirn-Achse. Diese verbindet das enterische Nervensystem („Bauchhirn“) mit dem zentralen Nervensystem. Bei Stress aktiviert der Körper den Sympathikus, einen Teil des vegetativen Nervensystems, der für „Flucht oder Kampf“ zuständig ist. Dadurch wird die Durchblutung des Verdauungstrakts reduziert, die Magenentleerung verlangsamt und die Darmmotilität verändert. Gleichzeitig können Stresshormone wie Cortisol die Schleimhautempfindlichkeit erhöhen und die Zusammensetzung der Darmflora beeinflussen.

Entspannungstechniken wie Atemübungen, Yoga oder Meditation aktivieren den Parasympathikus, der die Verdauung fördert. Auch milde Kräutertees wie Kamille oder Pfefferminze können beruhigend wirken. Bei akuten Beschwerden hilft Wärme auf dem Bauch oder bewusstes, langsames Essen, um den Magen zu entlasten.

Welche Alltagstipps können helfen, um nervöse Magenbeschwerden zu lindern?

Um den Magen zu beruhigen, sind kleine, leicht verdauliche Mahlzeiten über den Tag verteilt ideal. Verzichten Sie auf sehr fettige, stark gewürzte oder süße Speisen sowie auf Alkohol und Kaffee, da diese die Magensäureproduktion anregen. Achten Sie auf regelmäßige Pausen, ausreichend Schlaf und sanfte Bewegung wie Spaziergänge.