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Hautpflege bei Neurodermitis: Auf welche Inhaltsstoffe Sie besser verzichten

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In Pflegeprodukten stecken viele verschiedene Inhaltsstoffe, die mehr oder weniger kritisch sein können. Gerade bei Neurodermitis lohnt sich ein genauerer Blick auf die Rückseite der Verpackung. Denn: Es gibt so einige Cremes, Lotionen und Co. mit bestimmten Ingredienzen, die in der Neurodermitis-Hautpflege nicht zu suchen haben.

Trockene und rissige Haut, nässende Stellen und starker Juckreiz: Bei Neurodermitis ist unsere schützende Hautbarriere gestört. Eine präventive Hautpflege ist deshalb das beste Mittel, um Neurodermitis-Schübe langfristig zu reduzieren und die Haut nachhaltig zu schützen. Doch durch die gestörte Barrierefunktion ist bei Neurodermitis nicht jede Creme, Salbe oder Lotion gleich gut geeignet. Hierbei geht es nicht nur um das jeweilige Stadium der Erkrankung oder die Textur der Hautpflege, sondern auch um die verwendeten Inhaltsstoffe. Einige Bestandteile von Pflegeprodukten können nämlich genau das Gegenteil bewirken: Statt unsere Haut vor einem Schub zu schützen, lösen sie genau einen solchen aus.

Hautpflege-Inhaltsstoffe: Was steckt hinter Mineralölen, Parabenen und Co.?

In vielen Hautpflegeprodukten sind Inhaltsstoffe enthalten, die unserer Haut nur oberflächlich betrachtet guttun – oftmals können diese sogar zu vermehrten Reizungen führen. Vor allem Mineralölen, Parabenen und Silikonen wird nachgesagt, dass sie unserer Haut mehr schaden, als sie nutzen. Was steckt tatsächlich dahinter?

Mineralöle

Mineralöle werden aus Erdöl gewonnen und dienen in der Kosmetik als Weichmacher, Hautschutz, Lösungsmittel sowie zur Regulation der Viskosität. Dem ersten Anschein nach bieten sie viele Vorteile, weshalb sie in einer Vielzahl von Hautpflegeprodukten als Inhaltsstoff verwendet werden: Sie sind nicht allergen und werden daher von fast jedem Hauttyp gut vertragen. Gleichzeitig werden sie nicht ranzig, sind sehr lange haltbar und kostengünstig. Laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung sind Mineralöle in Kosmetikprodukten – entgegen der weitverbreiteten Meinung – für unseren Körper nicht schädlich. Eine Ausnahme bilden Lippenstifte, da hier Inhaltsstoffe verschluckt werden könnten.

Wer Produkte mit Mineralölen benutzt wird schnell merken: Die Haut fühlt sich nach der Anwendung weich und gesund an. Doch genau hier liegt das Problem, denn dabei handelt es sich nur um einen oberflächlichen Effekt. Durch Mineralöle wird unsere Haut fast vollständig abgedichtet, um kurzfristig vor einem Feuchtigkeitsverlust zu schützen. Gleichzeitig können aber keine Wirkstoffe in die tieferen Hautschichten transportiert werden – der natürliche Regenerationsprozess der Haut wird verlangsamt und die Hautbarriere gestört. Unter der Schutzschicht der Mineralöle bleibt die Haut also genauso angespannt und gestresst wie zuvor.

Silikone

Silikone sind eine Gruppe synthetischer Polymere – diese Kunststoffe werden im Labor hergestellt, wobei auch hier häufig Erdöl verwendet wird. Auch nach dem Auftragen von silikonhaltigen Cremes fühlt sich unsere Haut geschmeidig an. Sie dienen sogar als eine Art Weichzeichner und können Falten optisch reduzieren. Doch der Wirkmechanismus der Silikone ähnelt stark dem der Mineralöle: Die Haut verliert zwar weniger Feuchtigkeit, wird aber ebenfalls stark abgedichtet, sodass die natürliche Hautbarriere gestört und die Regeneration verlangsamt wird – gerade bei Neurodermitis kontraproduktiv.

Parabene

Parabene sind organische Verbindungen und dienen als Konservierungsstoff, um Kosmetika oder Arzneimittel länger haltbar zu machen. Sie wirken antibakteriell und fungizid, wodurch sie Bakterien oder Pilze abtöten. Das hört sich erstmal gut an, oder? Doch im Gegensatz zu Mineralölen und Silikonen kann dieser Inhaltsstoff allergen wirken – vor allem, wenn die Haut bereits vorgeschädigt ist, wie es bei Neurodermitis, Schuppenflechte oder anderen Hautekzemen der Fall ist. Zusätzlich wirken Parabene in höheren Konzentrationen ähnlich wie das weibliche Sexualhormon Östrogen und stehen im Verdacht, unseren Hormonhaushalt zu beeinflussen.

Mehr noch: 2020 haben Forscher herausgefunden, dass Kinder sogar zu Adipositas neigen können, wenn ihre Mütter in der Schwangerschaft Parabene über die Haut aufgenommen haben. In einer neuen Studie wurde weiterhin festgestellt, dass Parabene bei Kindern vermehrt Neurodermitis auslösen, wenn in der Schwangerschaft parabenhaltige Cremes für die Hautpflege genutzt wurden.

Emulgatoren

Auch Pflegeprodukte, die künstliche Emulgatoren enthalten, wirken kontraproduktiv. Grundsätzlich dienen sie dazu, dass sich Wasser- und Fettbestandteile miteinander vermischen lassen. Beim Auftragen passiert das aber auch mit den Lipiden unserer Hautbarriere, da künstliche Emulgatoren diese ebenfalls binden und aus der Haut schwemmen. Unser natürlicher Schutz der Haut wird damit weiter geschwächt.

Lanolin

Lanolin – auch Wollwachs oder Wollfett genannt – ist das Sekret der Talgdrüsen von Schafen, das bei der Wäsche von Schafwollen gewonnen wird. In Kosmetik und Hautpflegeprodukten kommt es durch seine unterschiedlichen Eigenschaften zur Anwendung. Lanolin wirkt hautpflegend, emulgierend, rückfettend und wasserabweisend. Aber Vorsicht! Wollwachs kann besonders bei Kindern Auslöser von Kontaktallergien sein und zu einer Neurodermitis beitragen. Deswegen ist es besser bei der täglichen Pflege auch auf diesen Inhaltsstoff zu verzichten.

Welche Alternativen gibt es?

Auf was es bei der Hautpflege von Neurodermitis ankommt? Die Haut langanhaltend mit ausreichend Feuchtigkeit zu versorgen und fehlende Lipide zuzuführen. Und genau deshalb können folgende Inhaltsstoffe eine gute Alternative sein, um die Haut von unseren Kindern und uns selbst schonend und reizarm zu pflegen:

  • Squalan ist ein farbloses Öl, das aus Oliven gewonnen wird. Hautpflegeprodukte mit diesem Inhaltsstoff können auf Silikone verzichten, denn: Squalan schützt die Haut vor Feuchtigkeitsverlust, wirkt antioxidativ und sorgt für ein angenehmes Hautgefühl. Da es sich dabei um ein Lipid handelt, das unser Körper kennt, ist es hochverträglich und wirkt nur sehr selten allergen.

  • Das Phospholipid Lecithin wirkt als ein natürlicher Emulgator. Es bildet den Hauptbestandteil der menschlichen Zellmembran und ermöglicht, dass sich Fette und Wasser miteinander verbinden können. Durch Lecithin wird zudem die Aufnahme gesunder Nährstoffe in das Zellinnere, sowie die Abwehr von freien Radikalen und Schadstoffen erleichtert.

  • Pflanzenöle punkten vor allem mit ihren pflegenden Eigenschaften. Sie besitzen im Gegensatz zu Mineralölen hauteigene Fette und ziehen in die Haut ein – wichtig jedoch: Hierbei muss je nach Öl das allergene Potenzial berücksichtigt werden.

  • Pentylene Glycol ist ein Feuchtigkeitsspender mit antimikrobiellen Eigenschaften, wodurch Parabene ersetzt werden können.